Der Traum des amerikanischen Arztes ist wohl vielen durch etliche TV Serien im Kopf geblieben und nicht selten wird auch die Option der Forschung im Land der unbegrenzten Möglichkeiten als anstrebsames Ziel gesehen. Doch wie kommt man überhaupt als Arzt oder Forscher nach Amerika? Hier wollen wir dir einen kleinen Einblick in das Testverfahren geben und inwieweit sich dieses mit dem Studium an der MeduniWien vereinbaren lässt!

 

Was ist der USMLE und wofür brauche ich ihn?

Der USMLE (United States Medical Licensing Examination) ist eine dreigliedrige Prüfung um die Fähigkeiten eines Arztes zu evaluieren. Nur durch den Test kann eine praktische Tätigkeit am Patienten durchgeführt werden (Dabei reicht als Student der Step 1 aus, für die Anerkennung als Arzt müssen jedoch alle Steps (heißt 1-3) abgeschlossen werden). Der Step 1 prüft theoretisch die Grundlagen (die Vorklinik) ab, während Step 2 sowohl praktisch als auch theoretisch die klinischen Fähigkeiten (CS) & Wissensbereiche (CK) evaluiert. Step 3 ist der letzte Schritt und wird von den Studierenden in Amerika erst am Ende ihrer „Residency“ angestrebt. Wir werden hier nur auf den Step 1 eingehen, da dieser der erste große Schritt ist und dieser sehr gut vorbereitet werden sollte.

 

 

STEP 1

Der Step 1 dient bei fast allen Bewerbungen als Bewertungsmaßstab und sollte daher besonders gut vorbereitet werden. Da nicht alle Bewerber bereits den Step 2 haben, werden alle Anwerber nach ihrem Testergebnis im Step 1 gereiht. Dadurch ergibt sich für verschiedene Bereiche (je nach Bewerbungen) ein unterschiedlicher Eingangsscore. Dieses Testergebnis (vgl. mit den vorherigen Jahren) sollte angestrebt werden, wenn man später in diesem Bereich tätig sein möchte. Auch für Austauschprogramme die eine Tätigkeit am Patienten verlangen ist der Step 1 unerlässlich. (Heißt: Für einen Forschungsaustausch ohne Patientenkontakt ist kein Step 1 notwendig, erhöht jedoch meist dennoch die Chancen einer Bewerbung.)

Hier ein kleiner Einblick über die durchschnittlichen Scores (2014) für die Aufnahme in verschiedenen Bereichen:

Übrigens: Bei einem Score unter 192 Punkten zählt der Test als nicht bestanden.

 

Wie ist der Test aufgebaut?

Der Zeitrahmen und der organisatorische Aufbau des Tests unterscheidet sich gar nicht so sehr von unserem SIP System. Worauf müsst ihr euch also einstellen?

  • Testzeit: 8 h
  • Fragenanzahl: 280 MC (bis zu 40/Block)
  • Testblöcke: 7 (60min/Block)
  • Pausenzeit:45min (+15 falls das Tutorial übersprungen wird)

 

Welche Themen werden im Step 1 abgefragt?

Die Hauptthemen sind folgende:

1. Anatomie
2. Biochemie
3. Physiologie
4. Mikrobiologie
5. Pharmakologie
6. Pathologie
7. Biostatistik und Epidemiologie
8. Verhaltenswissenschaften

Im weiteren Bereich sind auch Verknüpfungen mit den folgenden Gebieten angegeben:

1. Genetik
2. Immunologie
3. Molekular- und Zellbiologie
4. Ernährung
5. Alter

Dabei sind die einzelnen Aspekte wie folgt gewichtet/gehäuft:


 

Wann werden diese Themen an der Med Uni Wien behandelt?

Durch unser Blocksystem behandeln wir die einzelnen Fächer meist direkt in den einzelnen Blöcken der Organe. Dies bedeutet allerdings auch, dass wir nach dem dritten Jahr noch nicht alle theoretischen Grundlagen besitzen (dafür im Gegensatz zu unseren amerikanischen Kollegen jedoch praktisch/klinisch wesentlich besser sind). Eine Übersicht über die einzelnen Fächer in unserem Blocksystem findest du hier:

Anatomy Block 2 (1. Semester)
Organmorphologie I-III (4.-6. Semester)
Behavioral Sciences Block 1 (1. Semester)
Biochemistry Block 3 (1. Semester)
Biostatistics and Epidemiology Block 1 (1. Semester)
Block 7 (3. Semester)
Block 17 (6. Semester)
Microbiology Block 9 (3. Semester)
-> Achtung: zu ungenau für den USMLE
Pathology Histologische & Pathohistologische Grundlagen: 1./3./5./8.Semester
Pathophysiologische Grundlagen: den Organssystemen entspechend (Blöcke noch einfügen!)
Pharmacology Block 9 (3. Semester)
Block 10 & 11 (4. Semester)
Block 19 (6. Semester)
Block 20 (8. Semester)
Physiology Block 2 (1. Semester)
Block 4 (2. Semester)
Blöcke des jeweiligen Organsystems
Genetics Block 5 (2. Semester)
Immunology Block 8 (3. Semester)
Aging
Nutrition
Molecular and cell biology
In vielen Blöcken verteilt; vieles in Block 3. (1. Semester), Block 6 (2. Semester), Block 8 (3. Semester) und Block 13 (5. Semester)

Wie unterscheiden sich das Testsystem von dem Unseren (SIP)?

Durch die SIP und FIPs sollten Multiple Choice Fragen für alle Studierenden der MedUniWien recht bekannt sein. Ein großer Unterschied ist jedoch, dass der USMLE KEINE Altfragen bietet. Das heißt die gesamten Themengebiete müssen erlernt und beherrscht werden. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Fragen meist einen Fall beschreiben und man aufgrund dessen über Umwege zur eigentlichen Frage kommt. Der Fragestil unserer SIP Fragen ist im Gegenzug dazu sehr geradlinig und zielgerichtet. Hier eine Frage des USMLE zum Vergleich:

 

A sexually active 23-year-old man with multiple sex partners has dysuria and a yellow urethral exudate. Gram stain of the exudate shows numerous neutrophils, many that contain intracellular gram-negative diplococci. He has had three similar episodes of urethritis over the past 2 years. Which of the following properties of the infecting organism best explains the reinfection?
(A) Antigenic variation
(B) Catalase
(C) Inhibition of B-lymphocyte function
(D) Inhibition of T-lymphocyte function
(E) Polysaccharide capsule

 

(in der Linkliste findet ihr noch mehr Probefragen!)

Wie bereitet man sich am besten auf den USMLE Step 1 vor?

Wie eben beschrieben, gibt es keine echten USMLE Fragen mit welchen man trainieren kann. Stattdessen haben sich verschiedene Firmen herausgetan um möglichst originalgetreue Fragesammlungen zu entwickeln. Diese als „QBanks“ (Question Banks) bekannt gewordenen Datenbanken sind gerade zu allgemeinen Einschätzung seines Wissenstandes & der Lerntiefe sehr zu empfehlen. Da der Test auch zum Testtag am PC stattfindet lässt sich zudem ein Gefühl für den Umgang mit dem Testprogramm entwickeln. Viele Anbieter achten explizit darauf, dass ihr Computerprogramm dem des eigentlichen Testtags entspricht. Die Qualitäten aller auf dem Markt erhältlichen QBanks ist sehr unterschiedlich und korreliert nicht immer mit den Kosten. (Beispiele für QBanks findest du unten in der Linkliste).

Neben QBanks haben sich „High Yield“ Bücher durchgesetzt, welche meist sehr kurz und prägnant das notwendige Wissen für die Prüfung zusammenfassen. Auch Videos und Kurse lassen sich als Vorbereitung für den USMLE nutzen. Das allzeit beliebte „First Aid for the USMLE“ Buch findet sich auch zum Ausleihen in der UB Med Wien. Welche Ressourcen wirklich sinnvoll sind, hängt ganz von dem Lerntyp und den finanziellen Mitteln ab. Von allen Seiten empfohlen werden:

  • First Aid for the USMLE
  • Q Bank der Wahl

Für weitere Literatur der einzelnen Fächer lassen sich kaum gute Empfehlungen geben. Am besten ist es sich im Internet einen groben Überblick zu verschaffen und mit dem Buch zu lernen, was einem am Besten liegt.

 

Welche Kosten erwarten mich in etwa?

Hier seht ihr eine grobe Aufteilung der Kosten, welche euch erwarten werden. Dies ist natürlich nur eine grobe Schätzung und liegt oft daran welche QBanks ihr nutzt und welche Bücher ihr euch zulegt.

ECFMG Certification ca. 65$
Step 1 Gebühr ca. 850$
Aufpreis International
(für Europa)
ca. 180$
Bücher & QBanks ca. 100-500$
Gesamtkosten ca. 1200-1600$

Weitere Informationen:

Wichtige Links: Bulletin zum Testprozedere 2017
http://www.usmle.org – offizielle Seite des USMLE
http://www.ecfmg.org – Offizielle ECFMG Seite
QBanks U World
NBME Self-Assessment
Kaplans „Kaptest“
USMLE RX
Testfragen Offizielle Probefragen 2016
Offizielle Probefragen 2017

 

Feedbackbereich:

Du hast den USMLE gemacht und würdest deine Erfahrungen gerne den „jüngeren“ Studierenden mitgeben? Melde dich einfach per Mail bei uns und beantworte die folgenden 4 Fragen:

  1. Nach welchem Semester hast du den Step 1 gemacht?
  2. Welchen Score hast du angestrebt?
  3. Wie lange hast du für den Test gelernt?
  4. Wenn du es heute noch einmal machen würdest, was würdest du anders/beser machen?